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Die Mistel - viscum album

Winterzeit ist Drinnensei-Zeit. Für Kräuterfreunde bedeutet dies: Nun können wir die Früchte und Blätter, die wir im Jahresverlauf im Schweiße unseres Angesichts gesammelt haben, endlich zu Salben, Tees oder Tinkturen verarbeiten.

Der ewige Querulant: Die Mistel

Nur eine Pflanze sticht aus dem grünen Einerlei aus Heilpflanzen heraus:

Die Mistel, deren Beeren man nun vor allem in der kalten Jahreszeit, am besten sogar in der Weihnachtszeit, sammelt.

  

Die Mistel oder „das Immergrün“, wie sie auch genannt wird, benötigt häufig eine Extrawurst: Sie keimt bei Licht, wenn andere Pflanzen Dunkelheit brauchen. Um die das Immunsystem stabilisierenden Mistellektine zu erhalten werden aus den Blättern ein Kaltauszug  (Mazerat) angesetzt, statt wie üblich bei Lektinen, die Pflanze lange und gründlich abzukochen.

Die Mistel: Von Druiden verehrt, von Baldur gehasst

Bei der Mistel handelt es sich um einen „Halbschmarotzer“. Sie gehört zu der Familie der Loranthacaea zu denen auch über 300 Arten Riemenblumen gehören. Einige Arten entziehen ihrem Wirtsbaum den Lebenssaft, andere entwickeln eine zusätzliche Wurzel, über die ein weiterer Anteil  Nährstoffe aus der umgebenden Erde aufgenommen werden.

 

Aufgrund ihrer immergrünen Färbung und prallen Beeren im Winter, galt sie viele Jahrhunderte als Fruchtbarkeitssymbol.  Die griechische Götting Freia ließ sich der Legende nach von dieser vermeintlichen Jugendlichkeit blenden und gab Loki damit das notwendige Werkzeug zur Hand, um ihren Sohn Baldur umzubringen und somit das Ende des Göttergeschlechts der Asen einzuläuten.

   

Die Druiden, deren Bezeichnung vom keltischen Wort „duir“ für „Eiche“ abgeleitet ist, verehrten nicht nur die Eiche als höchstes Pflanzengeschöpf; auch Misteln, die auf diesem Wirtsbaum äußerst selten zu finden sind, wurden in die Verehrungsrituale einbezogen.

Die Mistel: Giftig und doch wieder heilbringend?

Ein Großteil der im „Drudenfuß“ zu findenden Inhaltsstoffe sind abhängig von der Wirtspflanze: So sind Misteln auf Apfelbäumen weniger giftig als Misteln von Pappeln, Weiden oder Linden.

 

Allen gemeinsam sind jedoch die Mistellektine und Viscotoxine. Insbesondere die Beeren, aber auch der Rest der Pflanze, können zu Schüttelfrost, Fieber, Kreislaufstörungen oder allergischen Reaktionen führen.

 

Menschen mit Eiweißempfindlichkeit (Lektine!) oder chronischen Infektionen sollten Mistelpräparate generell meiden, denn allergische Reaktionen können hier nicht ausgeschlossen werden.

   

Geradezu eine Renaissance erlebte die Mistel im Dienste der Onkologie. Durch ihre zytotoxische Wirkung und Stimulierung der Granulozyten scheint ihre Einnahme nicht nur einen immunmodulierenden Effekt zu haben, sondern auch die Nebenwirkungen von Bestrahlungen und Chemotherapie zu lindern.

Wie kann der Laie die Mistel einsetzen?

Neben der Stärkung des Immunsystems wurden blutdrucksenkende und kreislaufstärkende Kräfte nachgewiesen. In der Erfahrungsheilkunde wurde sie auch vielfach bei Kopfschmerzen, Arteriosklerose oder verminderter Leistungsfähigkeit eingesetzt.

 

Aufgrund der giftigen Komponenten ist die Mistel keine Pflanze, die man bedenkenlos seinen Kindern überlassen kann. Doch auch für Erwachsenen gilt es, sich frühzeitig über mögliche allergische Reaktionen, Unverträglichkeiten oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bei Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker zu informieren.

  

Ist diese Hürde genommen, steht zum Beispiel einem blutdrucksenkenden Tee nichts im Wege:

Blutdrucksenkender Misteltee

Zutaten

  • 2 TL Mistelkraut: getrocknet
  • 250 ml Kaltes Wasser

              Mind. 8h in kaltem Wasser stehen lassen

Anwendung

 

Kurz vor dem Trinken bei Bedarf erhitzen (NICHT Kochen!)

 Pro Tag ca. 500ml Tee trinken

Und was tun mit den Beeren?

Ihnen fehlt mal wieder ein Klebestift? Wunderbar, wenn Sie Mistelbeeren zu Hause haben. Denn diese wurden viele Jahre als Klebstoff eingesetzt, sodass ihnen im Volksmund auch der Name „Leimmistel“ gegeben wurde. Übrigens: der lateinische Name liefert auch einen Hinweis: viscum album – viscum bedeutet „klebrig“.

 

In der Erfahrungsheilkunde wurden die Beeren außerdem gern in Schweineschmalz gekocht und gegen Erfrierungen eingesetzt.   

Gute Besserung und viel Spaß beim Sammeln!

 

Ihre Heilpraktikerin Eva Rudolf

Quellen:

  • Bäumler, Siegfried: Heilpflanzen Praxis heute. 1. Auflage. München: Urban & Fischer Verlag bei Elsevier GmbH 2007.
  • Roth, Daunderer, Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte.  4. überarbeitete Auflage. Hamburg: ecomed Verlagsgesellschaft AG & Co. KG., Landsberg 1994.
  • https://www.phytodoc.de/heilpflanzen/mistel-uralte-zauber-und-heilpflanze am 29.12.2018, 19:03 Uhr

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