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smartsleep - Innovation aus der Schlafforschung?

Auch letztes Wochenende war es wieder Zeit: Die Uhren wurde eine Stunde zurück gestellt. Um ehrlich zu sein, verpasse ich dieses Ereignis jedes Jahr aufs Neue, aber meine Klienten sorgen dafür, dass ich die Folgen dessen dennoch spüre: Viele Menschen leiden gerade in den ersten Wochen nach der Zeitumstellung unter Schlafstörungen. Nachdem die Hoffnung groß war, dieses Phänomen schon bald ad acta legen zu können, scheint sich die Abschaffung des alljährlichen Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit noch bis 2020 zu ziehen.

 

Eine Lösung für die leidenden Schlafsucher muss her, und was läge da näher, als zur schnellen Pille zu greifen – und das auch noch ohne Nebenwirkungen?!

 

 

Das Thema Schlaf ist erst seit einiger Zeit in das Zentrum des Medieninteresses gerückt, und so war ich nicht erstaunt als auch in der allseits beliebten TV-Show „Die Höhle der Löwen“  ein Produkt präsentiert wurde, das einen erholsameren Schlaf versprach. Der Gründer sammelte  für den Fortbestand seiner Unternehmung einen der höchsten Investmentbeträge seit Beginn der Sendung ein.

Und obwohl seit Ausstrahlung der Sendung bereits ein Monat vergangen ist, habe ich den angepriesenen Erfolg von smartsleep® nicht vergessen und hab es ein wenig genauer unter die Lupe genommen.

Die Intention der „Innovation aus der Schlafforschung“

Hinter dem Produkt und in der Sendung zu sehen ist der Kopf des Entwicklerteams,  zu sehen.

Nach eigener Aussage hat er vierzehn Jahre an smartsleep® entwickelt, u.a. in Harvard.

Im „Stern“ wird er zitiert, welches Ziel das Produkt erfüllen soll.

 

"Es ist ein Produkt, das vor allem Sportlern, Geschäftsleuten und Menschen mit wenig Schlaf beim Regenerieren helfen soll. 'Smartsleep' ist keine reine Einschlafhilfe, sondern hilft die natürlichen Erholungsprozesse im Schlaf zu unterstützen und für den nächsten Tag mehr Energie zu liefern. Man schläft sich fit"

 

 

Das klingt schonmal vielversprechend. Doch ist das wirklich so? Schauen wir uns mal die Inhaltsstoffe an.

Was ist drin im Wundermittel?

smartsleep® besteht aus 2 Kautabletten und 25ml Liquid in einer Trinkampulle.

Die Kautabletten bestehen in erster Linie aus Kreatin.

 

Beschäftigt man sich ein wenig mit den bisherigen Erkenntnissen aus der Schlafforschung ist man zunächst verwundert: Kreatin taucht da nämlich weder beim Prozess des Ein- noch Durchschlafens auf.

 

Doch die Fitnessfreund unter Ihnen werden davon mit Sicherheit schon gehört haben: Kreatin (griechisch: kreas=Fleisch) ist ein elementarer Baustein bei Muskelstoffwechselprozessen und zum Aufbau der körpereigenen Energiereserven unerlässlich. Er wird im Körper abgebaut und zu Kreatinin verstoffwechselt, neben Harnsäure und Harnstoff einer der drei harnpflichtigen Substanzen, die durch die Niere ausgeschieden werden.

Es liegt die Vermutung nahe, dass wie überall im Leben, ein maßvoller Umgang mit dem Produkt angebracht ist, wenn man seine Leber und Nieren nicht schädigen möchte.

 

Gerade für Menschen, die körperlich und geistig sehr aktiv sind (und wer kann sich heutzutage leisten, in beiden Bereichen nachzulassen?) scheint dieses Produkt für den schnellen Energieboost attraktiv zu sein. Denn der Körper produziert die Hälfte unseres Kreatinbedarfs (2-4mg/Tag (Erwachsene) selber, den Rest muss er zuführen – vor allem mit Fleisch oder Fisch.

 

 

Die Flüssigkeit dagegen besteht wesentlich mehr Zutaten. Die Liste der Inhaltsstoffe liest sich zunächst wie eine Anleitung aus dem Chemiebaukasten: Doch neben Wasser (ok, war zu erwarten), dem Geschmacksvestärker L-Glycin und Säureregulatoren stellt man aber mit Blick auf das smartsleep®-Datenblatt schnell fest, dass es sich bei den meisten der kyptischen Inhaltsstoffe aber um wichtige Vitamine handelt:

Inhaltsstoffe Auszug aus Wirkungsweisen
 Vitamin C  Immunsystemstärkend, Blutbildung
Vitamin B1 Nervensystem Entwicklung
Vitamin B2 Energie- und Proteinstoffwechsel
Niacin, Vitamin B3 Entzündungshemmend
Vitamin B6 Stoffwechselregulation
Biotin Haut, Haare, Nägel
Pantothennsäure, Vitamin B5 Citratzyklus, Auf- und Abbau für Kohlehydrate & Fette
Magnesium u.a. dämpft Muskel- und Nervenerregbarkeit
Zink Entzündunghemmend
L-Glycin nicht essentielle Aminosäure, kann vom Körper hergestellt werden, Eiweißaufbau, unterstützt Leberentgiftung

Der Test - ausgeschlafen, ausverkauft?

Schon ein Monat nach der Sendung war das Produkt zumindest weder in den von mir besuchten Filialen noch online bei den bekannten Drogerieketten erhältlich. Meine letzte Rettung war ebay, bei dem ich für 10,95€ immerhin 2 smartsleep®Röhrchen kaufen konnte – wenn auch ohne Originalverpackung.

Im smartsleep®-Shop dagegen hätte ich ca. das doppelte bezahlt, hier dann aber auch sieben Einheiten bekommen.

 

Auf den ersten Blick wirken die Tabletten von smartsleep® wie Kautabletten eines bekannten Energiespendebonbons.

Die Verpackung an sich ist aber ansprechend und durchdacht, auch wenn sie leider aus Plastik ist.

Die Flüssigkeit erinnert eher an die morgendliche Toilette, die Verpackung verhüllt allerdings einen Großteil des unappetitlichen Teils. 

 

Zuerst nimmt man kurz vor dem Schlafen die beiden Kreatin-Kautabletten ein. Sie sind staubtrocken, das Liquid als „Shot“  kippe ich hinterher. Irgendwie dachte ich auch, neben dem toilettenstein-anmutenden Geschmack "Citrus-Zitronengras" gab es noch mehr zur Auswahl ... Egal, der (Schlaf-)Hunger treibt´s rein: Ich bin gespannt.

Das Testergebnis & Fazit:                                      smartsleep® – Gesunde Alternative zu Schlaftabletten?

Am nächsten Morgen erwartet mich: nichts.

Gut, ich persönlich versuche mir mindestens sieben Stunden Schlaf zu gönnen. Doch halb sechs morgens wird selbst der motivierteste Frühaufsteher schwer aus den Federn kommen.

Später und über den Tag verteilt glaube ich, etwas mehr Energie zu spüren. Von überwältigendem Erfolg kann ich aber leider nicht sprechen.

Meine Dosis smartsleep® ist nach zwei Tagen aufgebraucht, also schaue ich im Internet nach weiteren Testberichten.

Die Stimmung ist verhalten, skeptisch bis enttäuscht.

Auch bei Personen, die das Nahrungsergänzungsmittel, denn mehr ist es in meinen Augen nicht, über einen längeren Zeitraum probiert haben.

 

Durch die Präsentation im TV hat das Produkt viel Aufmerksamkeit gewonnen. Ich glaube aber, dass einige Schlafsucher vergeblich auf einen positiven Effekt warten.

 

Das liegt einerseits an der guten Marketing-Maschinerie.

Wie landläufig bekannt, haben wir immer mehr zu tun, doch der Zeitrahmen, in dem wir unsere Aufgaben erledigen müssen, ist der gleiche geblieben. Oft sparen wir dann nach hinten raus. Das ist am Alltag der Schlaf.

Wer wünscht sich dann nicht, dennoch seinem Körper das gleich Maß Regeneration zu bieten wie nach einer ausreichenden Schlafmenge?

 

Meiner Meinung nach erfüllt smartsleep® weniger die medieninduzierte Erwartung an einen besseren Schlaf. Vielmehr kann es eher einen positiven Effekt auf die Muskelregeneration im (Tief-)Schlaf haben und ist so eher für den Sportbereich geeignet.

 

Dies ist auch dem Hersteller bewusst: "Wir empfehlen das Produkt nach Bedarf zu konsumieren. Wir empfehlen niemandem, wenig zu schlafen. Schlaf ist wichtig für die körperliche Leistungsfähigkeit und die Gesundheit…“

 

Auch Veganer, die sich Kreatin anderweitig nicht zuführen können, profitieren unter Umständen - mit den gängigen Nahrungsergänzungsmittels aber sicherlich zu einem günstigeren Preis.

 

Um Schlafsuchenden wirklich zu helfen hätte ich mir dagegen - wenn es schon unbedingt ein Nahrungsergänzungsmittel sein muss - eine höhere Menge Magnesium, am besten in Kombination mit Magnesiumoxid, gewünscht:

Obwohl Magnesium eine einschlaffördernde Wirkung nachgesagt  wird und es nachweislich die Nerventätigkeit dämpft, deckt der hier enthaltene Anteil leider nur 67% des täglichen Bedarfs.

L-Tryptophan, eine wichtige Aminosäure, die als Grundstoff für das Schlafhormon Melatonin gilt und für mich beim Thema Schlaf essentiell, fehlt dagegen komplett.

 

Daher ist smartsleep® für mich keine schnelle Hilfe für meine schlafgestörten Klienten.

 

Eine ausgewogene und schlaforientierte Ernährung,  sowie Stressreduktion und Schlaffokus-Übungen sind und bleiben hierfür die gesündere Alternative – und dies ganz ohne Zutaten aus dem Labor.

Quellen und weiterführende Links:

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