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Wenn der Schmerz verfliegt – Hypnose in der Schmerztherapie

„Am Freitag war es wieder soweit: Ich kam gerade von der Arbeit nach Hause, freute mich auf einen entspannte Zeit mit unseren Freunden und schon tanzten die Punkte wieder vor meinen Augen. Früher hätte ich gedacht: der Abend ist gelaufen.“ 

 

So wie Klaus B., ergeht es vielen meiner Patienten. Viele ertragen jahrelangen Schmerz, zum Teil verursacht durch falsches Verhalten oder als Folgeerscheinung diverser Vorerkrankungen.

 

Wenn sich auch nach Jahren mit unzähligen Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen oder Darmspiegelungen keine organische Ursache findet, ist die Verzweiflung der Patienten, verstärkt durch die Ungewissheit über die Ursache ihrer Beschwerden, meist enorm. Das Umfeld reagiert oft verständnislos.

Langer Leidensweg kennzeichnet das Krankheitsbild chronischer Schmerzen

„Das geht jetzt schon seit meiner Jugend so. Der Freundeskreis dezimierte sich sehr schnell, nachdem ich fast wöchentlich Verabredungen nicht wahrnehmen konnte, weil ich einfach nur in meinem Bett die nächste Attacke überstehen wollte. Keiner meiner Familie hatte bisher Migräne.

 

Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt. Und nachdem die Ärzte mit ihrem Latein am Ende waren, versuchte ich mir auf eigene Faust zu helfen. Ich war schon bei allen möglichen Therapeuten: Ernährungsberater, Antiallergietraining, Migränecoaching. Alles hat ein bisschen geholfen, doch in der Summe wurde es mit der Zeit kaum besser.

 

Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das alles nur an der Oberfläche kratzte. Stress haben ja viele Menschen, aber ich wollte wirklich dauerhaft Abhilfe schaffen, oder zumindest mehr Kontrolle über den Schmerz bekommen.

 

Da hat meine Frau dann von Frau Rudolfs Hypnosepraxis gelesen. Das hatte ich noch nicht probiert und ein Versuch war es wert.“ 

 

Doch so offen wie Klaus B. sind nicht viele Schmerzpatienten. Hypnose ist vielen aus Fernsehshows bekannt. Nur wenigen Menschen ist die Vielfalt ihrer Einsatzmöglichkeiten in der Therapie von stressbedingten Krankheiten, Schlafstörungen oder Schmerzen bewusst.

 

Der entspannende Effekt wurde jedoch bereits in Altindien in Schlaftempeln genutzt. Bereits weit vor dem zweiten Weltkrieg würde die schmerzreduzierende Wirkung von Trancerlebnissen sogar in Geburtszentren, damals auch „Hypnotarien“ genannt, in Russland eingesetzt.

Therapeutischer Nutzen von Hypnose ist wissenschaftlich anerkannt

Dennoch beginnen Therapiegespräche in meiner Praxis oft mit Skepsis: von Fremdbeeinflussung und Wirkungslosigkeit hören Patienten oft, bevor sie in meine Praxis finden.

 

Dabei ist der therapeutische Nutzen von Hypnose seit Anfang 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat  Psychotherapie anerkannt.

 

Basis der hypnotischen Wirkungsweise ist der beruhigende Effekt der Einfluss konzentrativer Entspannung auf die Nervenaktivitäten in unserem Gehirn.

Während wir unserem Alltag nachgehen unterliegen wir einer anderen Nervenaktivität (Betazustand) als während unseres Schlafes (Deltazustand). 

 

Die Phase dazwischen bildet das sogenannte „Tor zum Unterbewusstsein“.

  

Der Alphazustand beträgt 8-14 Hz und kann als „Zustand der absoluten Konzentration auf eine Sache“ beschrieben werden. Geräusche oder störende Gedanken werden dann ausgeblendet. 

Hypnotherapie kann mehr als Entspannung

In der Schmerztherapie durch Hypnose wird allerdings nicht nur die entspannende Wirkung genutzt. Je nach Therapieziel können Trancen sowohl zur bildlichen Vorstellung (Imagination) des Schmerzes  zur individuellen Distanzierung kommen genauso zum Einsatz wie hypnotische Techniken zur physischen Linderung (wie etwa Kühlung oder Erwärmung) der schmerzenden Stellen.

 

Egal, ob rheumatische, psychosomatische Schmerzen, oder Schmerzen während ambulanter Operationen: Die Einsatzmöglichkeiten von Hypnotherapie sind vielfältig.

  

Als die Hypnosesitzung vorbei ist, lächelt Klaus M. „Natürlich ist die Migräne nicht verschwunden. Aber sie kontrolliert mich nicht mehr. Ich fühle mich einfach freier.

 

Ich habe das Gefühl, ich spüre schneller, wann sie sich nähert und kann vorher Maßnahmen ergreifen, es mir erträglicher zu machen. Und es gibt mir den Raum, meine Freizeit wieder mit Dingen zu verplanen, die mir Spaß machen. Morgen geht es zum Beispiel zum Wandern an den Walchensee. Das hätte ich mich vor einem Jahr noch nicht getraut, aus Angst, absagen zu müssen.“ 

Hypnose: (K)Ein bisschen Zauberei

Hypnosetherapie ist natürlich kein Wunderheilmittel. Aber als Therapeutin nutze ich sie bevorzugt als Werkzeug, um die Angststarre vor der nächsten Schmerzphase so gering wie möglich zu halten.

 

Vielmehr hilft therapeutische Hypnose Ihnen die Aufmerksamkeit weg vom Schmerz hin zu den schönen Dingen im Leben zu lenken. Hobbies und Aktivitäten mit der Familie werden häufiger und intensiver wahrgenommen. 

 

Auch Klaus B. kann das nun wieder. Er hat sich jetzt ein Motorrad gekauft, erzählt er mir augenzwinkernd. Da wünsche sich seine Frau manchmal sogar die Migräne wieder zurück.

Quellen:

  • Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie: In: Bekanntmachungen: Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie nach § 11 PsychThG – Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der Hypnotherapie. Juni 2006. https://www.aerzteblatt.de/archiv/51763/Bekanntmachungen-Wissenschaftlicher-Beirat-Psychotherapie-nach-11-PsychThG-Gutachten-zur-wissenschaftlichen-Anerkennung-der-Hypnotherapie [11.10.2018]
  • Hüsken-Janßen et al., Helga: Hypnose in der Geburtsvorbereitung. 3. Auflage. Berlin: Springer Berlin Heidelberg 2015.

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