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Plötzlich paralysiert: Albtraum Schlaflähmung

Es klingt wie aus einem Horrorfilm: Eine derartige Ohnmacht, gepaart mit der panischen Angst, dass dieser Zustand für immer so bliebe, habe Riccarda H. noch nie erlebt.

 

Kurz vor dem Weckerklingeln sei sie aufgewacht, unfähig sich zu bewegen, nur die Augen „habe ich öffnen können, sonst nichts.“

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen alle Muskeln wieder „zu sich“ und sie konnte endlich „aufstehen und sich von dem Schock erholen“.

Schlafparalyse als Teil des REM-Schlafs

Angst vor Lähmung nach dem Erwachen

Das, was meine Patientin hier beschreibt, ist bei Weitem kein Einzelfall.

 

Immer wieder berichten mir Patienten von einem Ereignis, dass sich „Schlafparalyse“ nennt und in aller Regel während des Aufwachens stattfindet.

 

Doch muss man sich als Betroffener Sorgen machen? Ist Ihre Schlaf-Gesundheit gefährdet?

 

Nun, grundsätzlich widerfährt jedem Menschen während des Schlafs eine Phase der Lähmung. Und das jede Nacht.

 

Es geschieht während des Stadiums des REM-Schlafs. Es wird am Übergang zwischen Wachsein und der ersten Tiefschlafphase erreicht, wobei die Abkürzung REM dabei für „Rapid Eye movements“ steht. 

Mehr dazu im Einzelnen im Beitrag zu den Schlafzyklen.

 

Im Durchschnitt beansprucht der REM-Schlaf etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent des Gesamtschlafanteils. Dabei erhöht sich der Anteil des REM-Schlafes erst zum Ende der Nacht. 

 

Während dieses REM-Stadiums, verarbeitet unser Gehirn Informationen indem es sie vom Kurzzeit ins Langzeitgedächtnis verschiebt. Zu diesem Zeitpunkt ist auch die Phase des Träumens emotional am intensivsten.

 

 

Das Gehirn arbeitet auf Hochtouren, wohingegen der für die Motorik verantwortliche Anteil des Nervensystems so gut wie ausgeschaltet ist.

Lähmung als Schutz vor Verletzungen während des Träumens

Die Folge: Unser Gehirn ist zwar annähernd so aktiv wie im Wachzustand, gleichzeitig sind Bewegungen– mit Ausnahme der Augen – nahezu unmöglich. Außerdem finden hier die häufigsten Arousals, sprich Weckreaktionen, statt, der Schlafende ist dann am einfachsten zu wecken.

 

Warum ausgerechnet die Augen zu diesem Zeitpunkt äußerlich am aktivsten sind, scheint neuesten Forschungen zufolge mit dem Erlernen motorischer Fähigkeiten zusammenzuhängen – ein plausibler Grund, weshalb Neugeborene diesen Schlaf-Abschnitt noch vor dem Tiefschlaf entwickeln. 

 

Egal, ob wir dann während des REM-Zustands Fahrradfahren, rennen oder mit dem Auto unterwegs, rudern oder wild gestikulieren. sind. Unser Körper ist so programmiert, dass unser Bettnachbar und auch wir, nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Muskeltonus ist auf nahezu null herunter geregelt, die Gliedmaßen erschlaffen. 

Schlaflähmung als erstes Anzeichen für Narkolepsie

Lähmungen während der Schlafens sind somit also physiologisch vorgesehen, um uns vor Verletzungen zu schützen. Ganz Im Gegenteil wird sogar vermutet, dass nicht funktionierende Schlaflähmung während des REM-Schlafs als Erstsymptom für eine Entwicklung einer Demenz und  Morbus Parkinson  gewertet werden kann. Allerdings ist es nicht vorgesehen, dass der Schlafende diesen Zustand bewusst erlebt.

 

Die Schlafparalyse, also das Erwachen mit Lähmungen der Gliedmaßen, kann man sich als „das Gegenteil von Schlafwandeln“ vorstellen. Der Betroffene wacht auf und kann sich gar nicht oder nur unter größter Anstrengung bewegen. Zusätzlich kann das Gehirn Bilder von albtraumhaften Gestalten projizieren.

 

Diese furchteinflößende Erfahrung erlebt Schätzungen zufolge zwar jeder Vierte einmal, doch nach einigen Minuten ist der Spuk in aller Regel auch vorbei. Und das dann auch für den Rest seines Lebens.

 

Die Ursache liegt in einer unvollständigen Wachreaktion des Gehirns begründet: Während das für das Bewusstsein zuständige Großhirn erwacht, bleibt der für die Muskulatur zuständige Anteil in Klein- und Mittelhirn im Schlafmodus stehen und wird erst nach einigen Sekunden aktiviert. 

 

Menschen, die dagegen regelmäßig gelähmt aus dem REM-Schlaf erwachen, sind sehr selten. Die Gesamtzahl liegt bei weit unter einem Prozent der Bevölkerung. In diesem Fall kann es ein Hinweis für eine beginnende Narkolepsie sein. Der Gang zum Schlafexperten (Arzt oder Heilpraktiker) ist dabei unvermeidlich, um weitere mögliche Ursachen wie etwa einen Schlaganfall auszuschließen.

Was tun, bei erstmaliger Schlaflähmung

Schnellere Abhilfe dieses unangenehmen Geschehens bringen sanfte Berühren des temporär Gelähmten durch den Bettnachbar. Sind Sie selbst betroffen kann Konzentration auf den bewegungsunfähigen Körperteil wieder zu neuer Kraft verhelfen. Dauerhafte Therapie wie Autogenes Training oder Hypnose können den Ursachen auf den Grund gehen und zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Stress im Alltag verhelfen.

 

Auch Riccarda H., konnte ich beruhigen. Nach einer gründlichen Anamnese konnten wir feststellen, dass sie sich mit Ihrer bevorstehende Scheidung in einem emotionalen Ausnahmezustand befand, der eine einmalige Schlaflähmung begünstigen kann.

 

Für weitere Informationen zum Thema kann ich Ihnen folgende Literatur empfehlen (die mir auch als Quellen dienten):

  • Die schlaflose Gesellschaft_Hans-Günther Weeß: 978-3-7945-3126-4
  • Schlafcoaching-Brigitte Holzinger/Gerhard Klösch: 902903-48-8
  • Praxis der Schlafmedizin, Stuck et al., 978-3-642-34880-8

 

 

 

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