Körperspender werden

Trotzdem es heute überall grünt und sprießt und das blühende Leben sich aus jeder Pore der Erde quillt, möchte ich Ihnen heute doch ein Thema näher bringen, das mich Anfang des Jahres sehr beeindruckt und bewegt hat.

Ein wenig hatte ich es bereits in meinem ersten Blogbeitrag angeschnitten:

Es geht um Menschen, die noch nach Ihrem Tod Gutes tun möchten,  indem sie  sich nach ihrer Blütezeit über den Tod hinaus als Körperspender für angehende Mediziner zur Verfügung stellen.

 

Irgendwie ist die Vorstellung davon, aufgeschnitten und angestarrt zu werden schon etwas gruselig. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, wenn man tatsächlich man der Öffnung eines Menschen beiwohnt. In meinem Fall war es „bloß“ ein Torso. Ich habe weder den Kopf noch Arme noch Beine gesehen. Neben dem Torso lagen aber noch 2 weitere Körper in dem Präparationssaal in einem Nürnberger Klinikum. Obwohl beide in weiße Säcke eingehüllt waren, konnte man anhand der Silhouette erkennen, dass darunter zwei tote Menschen lagen. Doch wie kommt man dazu, Körperspender zu werden? Und den ein oder anderen interessiert sicher auch: Wie kann man einer werden?

 

Der durchschnittliche Spender ist ca. 70-80 Jahre alt, und hat seine Entscheidung auch erst ab dem 50. Lebensjahr getroffen. Die Berufsgruppen sind dabei keineswegs nur Mediziner, sondern sehr durchmischt.

 

Körperspender zu sein bedeutet, seinen gesamten Körper für ein anatomisches Institut zu Lehrzwecken zur Verfügung zu stellen. Dies ist notwendig, denn das deutsche Gesetzt erlaubt keine pauschale Untersuchung von Verstorbenen. Dies ist in  unseren Nachbarländern wie den Niederlanden oder Österreich anders: Hier muss man ausdrücklich einen Widerspruch einlegen, wenn man für Organspenden oder zu Lehrzwecken NICHT zur Verfügung stehen will.

 

Das bedeutet gleichzeitig, dass humanmedizinische Ausbildungseinrichtungen in Deutschland auf derartige Spenden angewiesen sind, um Studenten Zugang zu den Grundlagen ihrer Arbeit zu gewähren. Die Anzahl der benötigten Spenderkörper variiert je nach Örtlichkeit: Nimmt die Zahl der Freiwilligen in Städten wie Frankfurt oder Ulm stetig zu und müssen sogar das Einzugsgebiet der Anmeldungen verkleinern, so ist etwa das Anatomischen Institut in Nürnberg dankbar für jeden Körperspender.

 

Dafür muss der Spender zu Lebzeiten aktiv auf das Institut zugehen und eine schriftliche Erklärung seines Wunsches mit Unterschrift verfassen. Daraufhin bekommt er vom jeweiligen Institut die „Letztwillige Verfügung“ zugewendet, die ebenfalls ausgefüllt und unterschrieben werden muss . Ein möglicher Grund sich für diesen Schritt zu entscheiden mag bei einigen Spendern die vermeintlichen Kostenersparnisse zu sein. In der Regel übernehmen die anatomischen Institute alle Kosten, die für Überführung, Transport, Präparation und Bestattung entstehen. Dies kann sich zwischen 500 und 1300€ je nach Institut, bewegen. Dies ist letztendlich möglich, indem Teilnehmer von Anatomischen Führungen oder Übende aus dem medizinischen Bereich für die Möglichkeit am echten Körper zu üben Gebühren zahlen. Verfügt das jeweilige Institut nicht über die entsprechenden Mittel kann es aber auch vorkommen, dass die Spender einen gewissen Zuschuss bereitstellen müssen. Wissen sollte man außerdem, dass eine Erdbestattung als Körperspender nicht möglich ist.

 

Zumindest im Freistaat Bayern werden alle Körperspender und ihre Organe verbrannt und in Urnengräber bestattet.

Welche Voraussetzung muss man als Spender erfüllen? Eines vorweg: Niemand landet unfreiwillig als Anschauungsobjekt auf dem Tisch. Alles muss wie oben beschrieben doppelt auf freiwilliger Basis geschehen. Zudem muss der Unterschreibende volljährig sein, Kinder werden erst seit den 70er Jahren nicht mehr in den Anatomieabteilung untersucht. Außerdem darf der Spender keine Infektionskrankheiten haben und sollte nicht adipös sein.

Nach erfolgreicher Registrierung erhält er dann einen Spenderausweis. Sollten auch Sie mit dem Gedanken spielen Spender werden zu wollen, sei Ihnen aber eines geraten: Besprechen Sie diesen Schritt vorher mit Ihrer Familie oder informieren Sie sie über Ihre Entscheidung.

 

Denn eines ist klar: Ist der Spender erstmal verstorben, kann es passieren, dass einige Familien, überrumpelt von der Entscheidung des Angehörigen, den wichtigsten Schritt nicht tun: Das jeweilige Anatomische Institut über den Tod des Spenders zu informieren. Denn erstmal im Institut angelangt, kann es bis zu 5 Jahre dauern, eher das Familienmitglied beerdigt werden kann. Eine möglicherweise nervenaufreibende Phase, in der sich die Verwandtschaft nicht von der geliebten Person verabschieden kann.

 

 

Gibt Sie aber dem Wunsch des Spender nach, ist es der nächste Schritt, das Institut zu kontaktieren. Dieses veranlasst die Abholung. Danach wird dem Spender eine Nummer zugeordnet, die ihn und seine Organe eindeutig einander zuordnen. Wenn der Spender außerdem das entsprechende Kreuz setzt, können seine Organe unabhängig von seiner Hülle aufbewahrt, für Präparationen genutzt und anschließend bestattet werden, um bis zum Schluss der Menschheit zu dienen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Gustav Sucher (Donnerstag, 13 September 2018 14:29)

    Mein Opa ist gestorben und nun sind wir auf der Suche nach einem Bestatter. Wir sollten auch vorher wissen wie viel die Bestattung kosten soll. Danke für den guten Blog Beitrag!
    https://www.pohlmann-bestattungen.de/henstedt-ulzburg.html


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